Erlauben Sie mir diese etwas provokative Frage. Über die Feiertage ziehe ich jeweils ein wenig Bilanz und überlege, was im nächsten Jahr für Veränderungen anstehen – wahrscheinlich kennen Sie dies auch aus eigener Erfahrung. Ich überlege mir natürlich auch manchmal: Wieso wohne ich eigentlich in Stettlen? Mit dem Worblental und der Gemeinde Stettlen verbinde ich einen wertvollen Teil meines Lebens. Manchmal komme ich in Versuchung, dies etwas zu hinterfragen: Vielleicht wäre das Leben in der Stadt oder der städtischen Agglomeration etwas näher am Puls des Geschehens, mit viel Angeboten in Fussdistanz und Möglichkeiten zum Ausgehen. Oder wäre aus beruflichen Gründen ein Umzug in eine Grossstadt-Region der Ost- oder Nordschweiz – der Name sei hier nicht genannt – mittelfristig sinnvoll?
Dem stelle ich gegenüber, was mir in Stettlen gefällt: Wir haben ein funktionierendes und lebendiges Dorf in unmittelbarer Nähe zur Stadt und zur städtischen Agglomeration; die Anbindung mit öffentlichem Verkehr ist optimal und wird weiter ausgebaut. Man lebt quasi auf dem Land und ist doch sofort in der Stadt. Besonders wichtig ist mir das erwähnte dörfliche Leben: Im Dorfkern sieht man sich, man trifft sich zum «Fübi», es gibt lokale Veranstaltungen, die Politik ist konstruktiv im Sinne eines «Mitenang, nid Gägenang». Auch der architektonische Charakter leistet einen wesentlichen Beitrag zum «Charme» des dörflichen Lebens in Stettlen. Mein politisches Mind-Set orientiert sich am Motto «Der Mensch im Zentrum». Und es macht mir Freude, diesen Spirit im Stettlener Dorf-Alltag zu erleben.
An der letzten Gemeindeversammlung wurde diskutiert, ob man die Versammlung in Zukunft in Deisswil durchführen sollte – dort wo in unserer Gemeinde aktuell ein wahres urbanes Entwicklungsjuwel besteht. Dem hielt jemand gegenüber: «Mir läbe hie immerno imne Dorf!». Ich verstehe beide Seiten. Das Angebot im urbanen Bernapark nutze ich gerne und sehe es als positive Erweiterung des Gemeindelebens. Gleichzeitig ist mir das Dorf wichtig: ich schätze den ländlichen Charakter des Dorfkerns und dessen Lebendigkeit inklusive der Lädeli, dem Gewerbe sowie dem Vereinsleben. In Stettlen haben wir «s Füfi und s Weggli». Dabei kann ich in Fussdistanz sowohl die urbaneren Angebote als auch das ländlich-dörfliche Leben in Anspruch nehmen. Diese Vielfalt schafft einen wahren Mehrwert, zu dem wir Sorge tragen sollten.
In Stettlen lebe ich aus Überzeugung. Das Erfolgsmodell unserer «vereinten Gegensätze» möchte ich in die Politik tragen: Neues mutig gestalten, Traditionen bewahren und weiterentwickeln.
Obiger Text wurde in der Bantiger Post Nr. 5 vom 28. januar 2026 publiziert.




