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Rechenschaftsbericht als Präsident der SOG FU 2024-26

Date: 28/03/2026

Author: Marcel Stolz

Categories: Military | Switzerland

Im März 2024 wurde ich von der Mitgliederversammlung der Schweizerischen Offiziersgesellschaft Führungsunterstützung zum Präsidenten und Nachfolger von Major Christian Locher gewählt. Obwohl ich mich im Vorfeld nur als einfaches Vorstandsmitglied zur Verfügung gestellt hatte, wurde ich mehrmals gebeten, das Präsidentenamt zu übernehmen, wozu ich schliesslich einwilligte.

Status Quo 2024

Im Jahr 2024 war der Verein nicht in einem guten Zustand. Ich übernahm einen Verein, der nach der Pandemie nicht mehr ganz in die Gänge gekommen war und in dem sich langjährige Führungsfehler bemerkbar machten: Zum einen war nicht mehr klar, wie viele Mitglieder der Verein effektiv hatte. Andererseits war die Kassenführung irreführend, da Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen zum Vermögen gezählt wurden, die über mehrere Jahre hinweg gar nie eingetroffen waren. Zudem litt der Verein an einer gewissen Verstaubtheit und Rückwärtsgewandtheit im Mind-Set. Dies machte sich insbesondere darin bemerkbar, dass sich im Jahre 2022 eine «Offiziersgesellschaft Cyber» gegründet hatte, um die jungen und intellektuell sehr dynamischen Offiziere des neuen Cy Bat 42 aufzunehmen. Diese neue Offiziersgesellschaft wurde als Konkurrenz der SOG FU wahrgenommen, während man es gleichzeitig versäumt hatte, einen nachhaltigen Schritt in die Moderne zu machen. Die Anlässe der SOG FU bis 2024 beschränkten sich auf die Mitgliederversammlung, einen kameradschaftlichen Frühjahrshöck sowie einen Vortrag, der in der Regel bei einer Schweizer Rüstungsfirma – und durch diese organisiert – stattfand. Hinzu kam, dass sich die alle paar Jahre stattfindende Tradition des FU FORUM von den Interessen der Basis entfernt hatte und der Anlass zunehmend ein Gefäss für das Lobbyieren der Rüstungsindustrie und das Marketing der Berufsorganisation geworden war.

Mitglieder und Finanzen seit 2024

Im Bereich der Mitglieder und Finanzen legte ich als Präsident den Fokus darauf, dass die etwas chaotische Geschäftsführung verbessert und die Kommunikation zwischen den entsprechenden verantwortlichen Vorstandsmitgliedern optimal unterstützt werden konnte. Durch das Engagement und die gewissenhafte Amtsausübung der entsprechenden (neuen) Vorstandsmitglieder konnte erreicht werden, dass wir den Effektivbestand der Mitglieder auf 265 feststellen konnten und dass bei den Finanzen keine Mitgliederbeiträge mehr als Vermögen verzeichnet waren, welche nie eingenommen worden waren. Dadurch ergab sich ein klares Führungsbild. Eine konsequente Werbestrategie via ansprechende Anlässe und Werbung in der Offiziersschule – inkl. Verlosung von kleinen Gadgets an die ersten neuangemeldeten Offiziersschüler – ermöglichte uns seit 2024 einen Zuwachs auf 295 Mitglieder. Dies entspricht einem Mitgliederzuwachs von gut 11%. Ich möchte hier insbesondere dem verantwortlichen Chef Mitgliederverwaltung einen Dank für seine gewissenhafte Arbeit und der Offiziersschule für die konsequente Ermöglichung der Mitgliederwerbung aussprechen.

Anlässe seit 2024

Nach meinem Amtsantritt habe ich mir erlaubt, die etwas verstaubte Vereinsagenda aufzuwerten. Die Mitglieder und Aussenstehende honorierten dies entsprechend mit reger Teilnahme und Beitritten. Durch meine Kontakte im internationalen Bereich und mein Netzwerk konnte ich mehrere interessante Anlässe für die SOG FU «an Land ziehen»: In der Spanischen Botschaft Bern konnten Mitglieder der SOG FU im Juni 2024 exklusiv an einer hochkarätigen Panel-Diskussion zum Thema «Cybercrime» teilnehmen; zudem fand im Mai 2024 die erste Auslandreise der SOG FU in der Vereinsgeschichte statt: Unter dem Thema «Cyber & AI» reisten wir nach England und besuchten die Universität Oxford sowie die Firma Palantir und bekamen einzigartige Einblicke. Zusätzlich konnten wir durch einen von mir erworbenen Kontakt im internationalen Bereich einen Anlass mit der damaligen NATO Contact Point Embassy in Bern, die damals durch die Tschechische Republik repräsentiert wurde, durchführen. Dieser fand im Herbst 2024 zum Thema EKF statt und bezog neben der tschechischen EKF-Industrie auch Fachexperten im Bereich Sicherheitspolitik und NATO-Vertreter aus der EKF ein. Das Event-Team ergänzte dieses reichhaltige Programm des Jahres 2024 mit der Organisation einer Exkursion zum Thema Hauptquartiere und Übermittlung auf den Bantiger.

Im Jahr 2025 durften wir mit einem neuartigen Anlass brillieren: Am ersten SOG FU Security Policy Apéro sprachen Priska Seiler Graf (damals Präsidentin Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats), Martin Pfister (damals Bundesratskandidat und inzwischen Chef VBS) sowie meine Wenigkeit zur aktuellen Bedrohungslage. Der Anlass fand an der Universität Bern und in Zusammenarbeit mit der dortigen Offiziersgesellschaft statt. Dies wurde bewusst so gewählt, um dem manchmal über die Führungsunterstützungstruppen vorherrschenden Bild eines unakademischen und sicherheitspolitisch desinteressierten Charakters entgegenzuwirken. Im Herbst 2025 fand zudem eine weitere Auslandreise, dieses Mal unter dem Thema «Elektronische Kriegführung», in die Tschechische Republik statt. Ich danke der Tschechischen Botschaft Bern herzlich für die Unterstützung der Organisation und Begleitung auf der Reise. Auf meine Initiative hin fand zudem im Dezember 2025 der erste SOG FU Glühwein-Anlass für Alumni der Führungsunterstützungs-Offiziersschule statt. Ziel war es, für die Abgänger der Offiziersschule eine gesellige Möglichkeit zum Wiedersehen zu bieten und somit die Rolle der SOG FU als Verein für die Pflege der Kameradschaft zu stärken. Der Anlass erfreute sich grosser Beliebtheit. Das Event-Team ergänzte die Anlässe im Jahr 2025 mit der Organisation einer Exkursion nach Brugg AG in einen ehemaligen Bunker der «P-26».

Zu Beginn des Jahres 2026 fand das zweite SOG FU Security Policy Apéro statt; dieses Mal durfte ich mich darüber freuen, dass Florian Schütz (Direktor Bundesamt für Cybersicherheit), Serge Bavaud (Direktor Nachrichtendienst des Bundes) sowie Oberst i Gst Michele Moor (Präsident SOG) meiner Einladung als Redner gefolgt waren – herzlichen Dank an die Genannten!

In der Bilanz darf ich mit gutem Gewissen feststellen, dass die Anlässe der SOG FU seit meinem Amtsantritt deutlich an Frische gewonnen haben, was sich auch in den steigenden Mitgliederzahlen manifestiert hat. Etwas mehr Unterstützung hätte ich mir seitens des Event-Teams bei der Organisation der Anlässe gewünscht.

Relevanz der SOG FU im sicherheitspolitischen Bereich

Bereits im Rahmen der HQ-Exkursion zum Bantiger im Jahr 2024 äusserten sich einige Mitglieder mit Bedenken bezüglich der Abschaltung des UKW-Sendeprogramms der SRG. Als das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) eine Vernehmlassung zur Multikanalstrategie initiierte, die die Abschaltung und den Rückbau des UKW-basierten Notfallradios vorsah, führte ich deswegen in Rücksprache mit dem Vorstand eine Umfrage bei den Mitgliedern durch. Knapp 80% der Teilnehmden sprachen sich dabei für eine Stellungnahme der SOG FU zur Multikanalstrategie aus, welche die Abschaltung des Notfallradios kritisch reflektieren sollte. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedern wurde daraufhin eine Vernehmlassungsantwort erstellt, welche im Rahmen des ordentlichen Prozesses beim BABS eingereicht wurde. Es handelte sich dabei um die erste Vernahmelassungsantwort der SOG FU in der Vereinsgeschichte. Damit wurde die SOG FU neu auch öffentlich als sicherheitspolitischer Akteur der Milizoffiziere für Fachbelange wahrgenommen und konnte ihr Profil sichtlich stärken.

Fazit

Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden und freue mich, dass ich Spuren hinterlassen durfte. Die SOG FU ist heute modern und zukunftsfähig. Leider gibt es im Rahmen einer derartigen strategischen Neuausrichtung auch immer Personen, welche Angst vor Veränderung haben. Im Vorstand war die Zusammenarbeit mit langjährigen Vorstandsmitgliedern zunehmend nicht zielorientiert – diese versuchten teils aktiv, die effiziente Vorstandsarbeit zu sabotieren. Seitens Berufsorganisation waren Einflüsse spürbar, die sich an der Entwicklung der SOG FU hin zu einer unabhängigen Stimme der Miliz störten. Insbesondere wurde befürchtet, dass die SOG FU sich in Zukunft kritisch zu Problemen im Kommando Cyber äussern könnte und dies negativ auf die Führungspersonen des Kommando Cyber abfärben könnte. Ein weiterer kritischer Punkt war, dass Teile der Schweizer Rüstungsindustrie ihre Möglichkeit zum Lobbyieren in einem zunehmend unabhängigen Verein als gefährdet sahen. Diese Entwicklungen – und die sich daraus entwickelnden destruktiven Tendenzen im Vorstand – führten mich schliesslich zur Entscheidung, mein Amt als Präsident niederzulegen. Dies, obwohl in einer Umfrage im Dezember 2025 74% der Teilnehmenden gewünscht hatten, dass ich mich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stelle.

Ich stehe klar für eine unabhängige Miliz ein und kann die destruktiven Entwicklungen und rückwärtsgewandten Tendenzen nicht mehr mit meinen Ansprüchen an Professionalität und Unabhängigkeit vereinen. Aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden, gleichzeitig mit meinem Rücktritt aus dem Verein auszutreten. Zur Wiederwahl im Vorstand empfehle ich den Chef Mitgliederverwaltung und den Digital Operations Officer sowie die Kassiere.

Ich wünsche der SOG FU auf ihrem weiteren Weg alles Gute und wünsche ihr, dass sie ihr neues, von Modernität und Unabhängigkeit geprägtes Gesicht auch in Zukunft mit Stolz weitertragen kann. Den Mitgliedern danke ich herzlich für das Vertrauen.

SEMPER ANTICUS!

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